08.05.2026, 20.30 Uhr, Serie B Italien
AC Monza vs. FC Empoli 2:2
Zuschauer: 10.653

Stadio Brianteo Monza
erbaut: 1988, Kapazität: 17.102

Es begab sich im Wonnemonat Mai des Jahres 2026, dass zwei schon leicht angegraute „Groundhopper“ aus Bayern die weite Reise gen Italien antraten, um dem schon in die Jahre gekommenen „Opernhaus des Fußballs“ – dem Mailänder San Siro – die vielleicht letzte Ehre zu erweisen. Und wenn man schon eine so weite Anreise in Kauf nimmt, hatte Kollege alteheide die vortreffliche Idee, der Kür noch eine Pflicht voranzustellen und ein Spiel der Serie B in die Reise zu integrieren. Nach kurzer Diskussion, ob es ein Heimspiel des FC Südtirol in Bozen oder des AC Monza in Monza werden soll, fiel die Wahl schnell auf die drittgrößte Stadt der Lombardei, die weit mehr ist als nur Austragungsort von Autorennen und nördlicher Trabant des Molochs Mailand.

Denn im

Dom zu Monza

kann man mit der Seligen Theodolinde einer waschechten Königin samt Krone (eiserner) die Ehre erweisen. Die junge Dame aus Bayern hat ebenso wie wir vor einigen Jahren (genauer gesagt um das Jahr 589) den Weg in die Lombardei angetreten, um dort einen Langobarden-König zu ehelichen. Damals gab es noch weder den AC Milan noch den AC Monza und auch Kollege alteheide konnte den frühmittelalterlichen bayerisch-lombardischen Verflechtungen weit weniger abgewinnen als der lindwurm, weshalb hier von weiteren historischen Exkursen Abstand genommen wird.

Zurück zum Reisebericht: Nach einer kurzweiligen Zugfahrt von München über Lindau und durch die schöne Schweiz, kamen wir rechtzeitig in Monza an und hatten noch ausreichend Zeit, die Stadt zu beschnuppern und uns mit Tapas made in Monza den Bauch vollzuschlagen. Am Abend ging es dann mit dem Bus Richtung östlicher Stadtrand. Beim Busfahrer konnte man kein Ticket kaufen, und so entschied sich der lindwurm in einer waghalsigen Aktion, seine Girokarte an einen Automaten zu halten, der dann einen grünen „gefällt mir-Haken“ von sich gab, mehr aber nicht – abgebucht wurden später pauschal 10 € – angesichts der euphorischen Stimmung gerade noch verschmerzbar. Ein paar Fußballfans waren im Bus, aber so recht wusste niemand, wo eigentlich auszusteigen ist. Direkt zum Stadion fahren die Monza-Busse nämlich nicht (und sie holen einen nebenbei auch nicht nach dem Spiel ab). Deshalb – wie als halbwegs erfahrene Groundhopper gewohnt – einfach mal den vermeintlich heimischen Fans hinterher… Doch die Grüppchen liefen in ganz unterschiedliche Richtungen. Das von uns favorisierte Grüppchen bescherte uns schließlich eine kleine Safari durch ein opulentes Gebüsch. Nach dessen Bezwingung taten sich zwei Dinge vor uns auf: Ein großes Stoppelfeld und: das Stadio Brianteo oder auch U-Power-Stadium genannt!

Gut, dass wir über den Acker gelaufen sind; denn dieser Anblick lies das Herz höher hüpfen: Wenn das San Siro (Giuseppe-Meazza-Stadion) Nonplusultra und Ahnherr brutalistischer Stadienarchitektur ist, so ist das Brianteo mindestens der Enkel: ein Stadion aus einem (Beton)guss! Eine hoch in den lombardischen Sternenhimmel ragende und überdachte Haupttribüne korrespondiert mit einer nicht weniger markanten Gegentribüne. Ausverkauft war die Hütte nicht, obwohl Monza theoretisch noch die Chance zum direkten Aufstieg gehabt hätte. Auch die Haupttribünen-Besucher zeichneten sich nicht gerade durch neapolitanische Heißblütigkeit aus, sondern bestätigten eher den Ruf der Lombarden als zurückhaltendes Völkchen. Aber die jungen Fans in der Monza-Kurve haben schön und laut gesungen und nebenbei die eine oder andere Feuerkugel hervorgezaubert, welche von pflichtbewussten behelmten Feuerwehrmännern prompt gelöscht wurde.

           

   

Zum Spiel selbst: Monza hatte einige gute Offensivaktionen, aber an diesem Tag eine wackelige Abwehr. Deshalb konnte Empoli durch ein gerechtes 2:2-Unentschieden die Klasse halten und hat sich sehr gefreut –  zusammen mit seinen rund 50 mitgereisten Schlachtenbummlern. Aufgrund des Sieges von Frosinone hätte an diesem Tag auch ein Monza-Sieg nicht mehr den Aufstieg für die lombardischen Kicker ermöglicht.

Nicht wirklich glücklich, aber auch nicht wirklich unglücklich gingen die Zuschauer nach dem Spiel ihrer Wege und auch die leicht angegrauten „Groundhopper“ aus Bayern fanden ihren Weg durch die norditalienische Maiennacht zielgerecht Richtung Hotel. Schön war es in Monza – San Siro kann kommen, alteheide berichtet!

P.S.: Ende Mai besiegte Monza nach dem geglückten Halbfinale gegen Juve Stabia im Finale auch US Catanzaro und spielt in der kommenden Saison gegen Inter und Milan.

P.P.S.: Der Titel dieses Beitrags ist der Titel eines Romans, der bislang weder veröffentlicht noch begonnen wurde.

 

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P.P.P.S.: Der idiotensport dankt dem lindwurm recht herzlich für sein hervorragendes Debut auf unserem kleinen Blog!

 

 

 

Flucht nach Monza – oder „Die lombardische San-Siro-Ouvertüre“
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