TSV Nördlingen – TV Bad Grönenbach 6:1
Gerd-Müller-Stadion Nördlingen, 19. Juli 2017
Zuschauer: 200

„Nördlingen? Was solln daran schön sein?“

So meine 1/3-Lieblingsnichte streng, als ich beim Gedanken an die selbst ernannte Ries-Metropole Milde walten und mich dazu hinreißen ließ zu äußern, dass Nördlingen ja eigentlich schon auch irgendwie seine Reize habe. „Na ja, dass man ganz um die Stadtmauer rumgehen kann und der Minigolfplatz wirklich wunderbar gelegen ist direkt im Graben an einem der Stadttore und überhaupt alles sehr mittelalterlich daherkommt“, wollte ich fast noch protestieren, aber dann besann ich mich und gab ihr vollumfänglich Recht. Als Oettinger mag man Nördlingen nicht, da darf man nicht weich werden, nur weil man schon seit 20 Jahren woanders wohnt. 

Ich bin aber trotzdem hingefahren, mit dem Rad bei sengender Hitze, denn es ist einem Oettinger durchaus erlaubt, Freunde in Nördlingen zu haben und auch, diese zu besuchen. Und weil es sich zeitlich ausging, habe ich vorher einen Abstecher in den so genannten Rieser Sportpark gemacht. Der TSV Nördlingen bestritt seinen Saisonauftakt – und ich wollte die morgendliche Scharte auswetzen und mit ganzem Herzen das Auswärtsteam supporten.

Nach sieben Minuten stand es 2:0 für die Gastgeber. Just my luck, wie Adrian Mole sagen würde.

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, das weiß man auch im Ries! Eine Viertelstunde später jedoch fiel das dritte Tor für Grün-Weiß, und jetzt war auch mir, dem Hater, klar, dass heute keine epische Aufholjagd mehr stattfinden würde. So machte ich mich auf den Weg um den Ground, sah hie und da ein weiteres Tor –das Spiel endete 6:1, das schönste Tor des Tages gelang aber den Gästen aus dem Allgäu!– und schoss Bilder:

 

Mei. Alles ganz nett, aber jetzt mal im Ernst: 200 Zuschauer zum Auftakt der Landesligasaison? Ist das euer Ernst, Nördlingen? Darf’s vielleicht ein bisschen weniger sein oder was? Da kann ja jeder Dorfverein mithalten, von uns und unserem TSV drei Klassen tiefer mal ganz zu schweigen. Und auch wir Oettinger haben eine Stadtmauer, zumindest ein bisschen eine. Und wir haben ganz klar das schönere Freibad. Das bessere Bier und die besseren Leute. Und eindeutig mehr Störche.

Ein Klassenunterschied.

 

Nö.
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3 Gedanken zu „Nö.

  • Hach, endlich wieder formidable Fußballgeschichten aus unterklassigen Ligen, garniert und verfeinert mit großartigen Photos und etwas Lokalkolorit. Es gibt eigentlich nichts Schöneres.

  • Somit hat der Autor seinen Anspruch auf Unterkunft auf Lebenszeit verwirkt…
    Hungerleider, elender!

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