jesolo

Wie man sich so fühlt im Sommer an der italienischen Adriaküste ist sehr schwer zu beschreiben. Aber der Begriff „Fremdschämen“ bringt es so ziemlich auf den Punkt. Bin ja selbst extrem gegen Verallgemeinerung. Erst recht möchte ich nicht Gefahr laufen, selbst in eine Schublade mit dem vermeintlichen Großteil der Urlauber gesteckt zu werden.  Ist es nicht peinlich, wie sich der typische Kurzzeitbesatzer deutscher Herkunft hier verhält? Es gibt ihn. Ich habe ihn gesehen und erlebt. Mehrfach. „Heinz-Rüdiger, ess deine Pommes!“ Wer kennt das nicht? Und – wer muss schon wissen, was „Bitte“ und „Danke“ auf italienisch heißt, wenn man es nicht mal mehr im Deutschen gebraucht? Wenn morgens in der Bäckerei hörst: „Zwei Brezeln und ein Sesambrötchen!“ dann vergeht dir der Geschmack augenblicklich und Du bist gewappnet für das mindestens ebenso geschmacksneutrale einheimische Styroporsemmerl. Also ich muss hier dringend mal weg. Und wo geht man am besten hin, wenn man Einheimische sehen und deren Bräuche bewundern will? Na zum Calcio.

stadion

Ich schwing mich also auf mein Rad und begebe mich zum Centro Sportivo Cavallino. Und endlich fühle ich mich fern der Heimat denn man erkennt mich als Straniero. Tante Grazie! Und das ist keine Verwandte von mir. (Anm. d. Autors)

stadionradl     bigletto

Dass jemand aus Germania nach Cavallino zum Fußball kommt ist wohl eine Seltenheit. Die Campionato di Promozione wäre die siebthöchste Liga in Italien, vergleichbar mit der Landesliga. Dafür sind 8 Euro dann doch ein stolzer Eintrittspreis. Doch die Erfahrungen werden jeden Cent wert sein. Im Eintritt inbegriffen waren nicht nur schöne Aussichten…

pano

 

aussicht

adac

 

 

whalewatching

 

…sogar das beliebte Whale Watching war inbegriffen. Ob es sich hierbei um den Ersatztorwart, den Gehilfen des Platzwartes oder den Ligapräsidenten handelt, bleibt auch für mich bis auf weiteres ein Mysterium.

hallo

Die andere – weitaus entscheidende – Frage kam mir ca. zehn Minuten nach Anpfiff. Wer ist hier eigentlich wer? Ist der AC Cavallino blau oder war es der Gegner Lovispresiano, der jetzt durch das schöne Freistoßtor in Führung ging? Dieses Tor wurde verhältnismäßig stark bejubelt. Eigentlich ein klarer Fall. Das muss die Heimmannschaft gewesen sein.

Was mich dann verwirrte und gleichzeitig eines besseren belehrte war die Mannschaftsaufstellung:

aufstellung

 

Die Spieler mit Nummer 7 und 8 der blauen Mannschaft waren Schwarze. Also eher Abdoulaye und Raoul. Caso chiuso…

Nächste Frage. Was konsumieren italienische Landesligazuschauer wohl in der Pause? Antwort: Sandwiches und Espresso.

vip

Hierbei handelt es sich um eine zugegebenermaßen außergewöhnliche Form der mobilen VIP-Lounge. Der Fahrer des dunklen SUV – ich nenne ihn vorsichtshalber mal „il Patrone“ – hatte möglicherweise nach dem Spiel eine Genickstarre. Der Großteil der interessanten Aktionen spielte sich hinter seiner linken Schulter ab. Hier einige Sequenzen.

Glanzparade

Das 0:2

Der Laufstil des Tages

Besonders laut wurden die Heimfans dann auch nicht beim Anschlusstreffer. Schätzungsweise kam er zu spät und der Espresso hat seine Wirkung längst verloren.

stadion

Alles in allem ein schöner Nachmittag in Bella Italia. So konnte ich mal die andere, unbekannte Seite eines Urlaubsortes kennen lernen – fernab der teutonischen Horden.

bucht

Ciao tutti.

Finalmente uno straniero

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