… bald neu mit Erstligaverein.

Panorama

FC Ingolstadt – FC St. Pauli 2:1
Sportpark Ingolstadt, 17. Dezember 2014
Zuschauer: 9.550

Es ist aus lebenspraktischer Sicht generell zu empfehlen, seine Erwartungen so weit nach unten zu schrauben, dass sie so gut wie nicht mehr existent sind. Diese Herangehensweise kann sogar eine Auswärtsfahrt nach Ingolstadt erträglich machen. Denn objektiv gesehen: Worauf hätte man sich gestern freuen sollen?

Die Mannschaft des FC St. Pauli befindet sich in einem verheerenden Zustand. Die Abwehrspieler treffen Entscheidungen, die genauso abenteuerlich anmuten wie jene des Präsidiums, Thomas Meggle vom erfolglosen Trainer zum Sportdirektor zu machen und Ewald Lienen zum neuen Cheftrainer, und in einer solchen Situation tritt man beim Tabellenführer an, dem FC Ingolstadt von 2004, der zehn Tore mehr als der magische FC erzielt, vor allem aber nicht einmal ein Drittel von dessen Gegentoren kassiert hat. Doch das wäre gar nicht das Schlimme, denn das Gefühl der Chancenlosigkeit ist mir vertraut und hat auch seine positive Seite: Man kann nicht enttäuscht, sondern allenfalls in seiner Sicht der Dinge bestätigt werden, wenn nicht sogar positiv überrascht.

Das Schlimme ist vielmehr immer das Drumherum, wenn man an einen Ort wie, sagen wir mal, Ingolstadt, zu einem Spiel fährt. This story is old, I know, but it goes on, und zwar immer so (oder ähnlich): Ein Retortenverein irgendwo in der Provinz mit einem großen Konzern im Rücken stellt sich eine moderne ‚Arena‘ irgendwo an den Stadtrand zwischen Bau- und Mediamarkt, es wird kräftig in die Mannschaft investiert, weil man ja – wenn schon, denn schon – ganz nach oben will, weil die Leute in der Gegend ja nach Bundesligafußball dürsten und weil sie eh schon viel zu lange darauf hatten warten müssen.

Schanzer

Das allein ist schon fadenscheinig genug, im Fall Ingolstadt kommt noch dazu, dass die Leute in der Gegend bereits eine ganze Weile recht gut leben konnten ohne höherklassigen Fußball bzw. sowieso schon immer Bayern-Fans waren, und dass man deswegen selbst als souveräner Spitzenreiter gerade mal einen Zuschauerschnitt von 8.000 aufweisen kann. Aber das macht ja nichts, lässt man halt den Stadionsprecher noch ein bisschen lauter brüllen und dreht die beschissene Tormusik noch ein bisschen mehr auf; die Bumsmusik, das Triumphgeheul, die Fahnenschwenker, die Claqueure, genau das ist es, was ich so satt habe: Diesen Versuch, künstlich für etwas zu sorgen, was einfach nicht da ist, unter dem Vorwand, man mache es für die Menschen, für das Publikum (wohlgemerkt: für das Publikum und nicht für die Fans), während man es doch eigentlich nur für das Geld macht. Ich habe das alles satt, so satt, dass es mich noch nicht einmal mehr richtig aufregt. Also, heute beim Drübernachdenken auf jeden Fall mehr als gestern vor Ort. Weil ich es ja gestern nullkommanull anders erwartet hatte, siehe oben.

Davon abgesehen war das Spiel des FC St. Pauli eigentlich gar nicht schlecht, also wesentlich besser als gedacht. Ich würde sogar behaupten, dass kein Unterschied erkennbar war zwischen Tabellenerstem und –letztem. Zwar befanden sich die Gastgeber deutlich öfter und länger in Ballbesitz, die zielstrebigeren Aktionen nach vorne hatten jedoch wir zu verzeichnen. Auch unsere Abwehr stand meist sicher und ließ kaum Chancen zu – außer bei den Gegentoren, bei denen es so war wie seit Monaten schon: Flüchtigkeitsfehler (Fehlpass Nehrig) gepaart mit zu passivem Zweikampfverhalten (Schachten) und Pech (Sobiech fälscht ab) ermöglichten das 1:0, beim 2:1 fehlte das Pech, nicht jedoch der Flüchtigkeitsfehler (Kopfballabwehr Schachten) und die Passivität im Zweikampf (Daube Ziereis, Gonther), und das ganz st. pauli-like keine zwei Minuten nach dem Ausgleich.

Aber es waren sehr schöne zwei Minuten, in denen wir jubilierten, in denen alles einen Sinn zu ergeben schien, in denen man meinen konnte, die Verhältnisse würden endlich wieder gerade gerückt und am Ende siege doch das Gute. Und diese zwei Minuten, um genau zu sein diese eine volle Minute und die ersten 40 Sekunden der zweiten, die waren mehr, als ich diesem Tag zugetraut hätte.

Mein Dank hierfür gilt dem FC St. Pauli. Ich liebe diesen Verein.

Herz

Vienna

 

 

Ingolstadt …
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