Mehr als nur Faschingsflucht – II

Teil II – In der Kabine des FCN

„Das habt ihr bisher super gemacht, Jungs!“ Der Trainer war höchstzufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft. Nachdem der Ligaprimus aus Düsseldorf gepatzt hatte, lief der Club nun Gefahr, die Tabellenspitze zu übernehmen. Diesen hierzu benötigten Sieg in Hamburg am Millerntor galt es mit aller Macht zu verhindern. Schließlich wurde bereits im Abteil die Erwartungshaltung der Fans aufgrund jahrelanger Erfahrung klar formuliert. „Der Glubb is a Depp!“

„Und Jungs!“, fuhr der Trainer fort, „Nehmt euch ein Beispiel am Superhelden Ishak. Hätte der uns beinahe die Führung beschert, Kerl. Aber seine Tat sofort wieder gut gemacht und sich bei der nächsten Aktion gleich mal sein Knie  um gefühlte 720 Grad verdreht. Dafür kam ja dann der Kollege Werner. Also Tobias, solltest du in eine ähnliche Lage geraten, lass es wie einen Unfall aussehen. Jetzt aber raus mit euch. Die berühmte Schalker Null muss stehen. Aber bei uns hinten wie vorn.“

Wie gut die Spieler auf ihren Coach hörten.

Von Mäusen und Menschen (und einer Dorade)

Der zerstoerer ist so ziemlich das Gegenteil seines Namens, nämlich Metalfan und somit das friedfertigste Wesen auf der Welt. Auch sonst ist er ein sehr umgänglicher Typ, gemütlich, rücksichtsvoll und mit einer guten Prise Humor ausgestattet, die ihn sein Dasein als Glubbfan etwas leichter nehmen lässt; abgesehen davon neigt er stets zu differenzierten Ansichten. Voreiligkeit und Schnellschüsse sind in keinerlei Hinsicht sein Ding, auch auf physischer Ebene nicht, und dementsprechend lässt sich u.a. auch die Geschwindigkeit, in der er Nahrung zu sich nimmt, als eher schleppend bezeichnen. Nur stark zuckerhaltige Lebensmittel kann er wegputzen wie nix, und genau hier, beim Thema ‚Zucker‘, hört für ihn der Spaß auf, und genau hier, beim Thema ‚Zucker‘, macht er seinem Namen dann doch noch alle Ehre.

Dank des zerstoerers bin ich nun, nach dreieinhalb Tagen in seinem Schlepptau, fest (mehr …)

Mein letztes Geld geb ich für Blumen aus…

    

HSV Barmbek-Uhlenhorst – FC Türkiye Wilhelmsburg 5:2
BU-Stadion an der Dieselstraße, Hamburg, 11. Februar 2018
Zuschauer: 242

…und manchmal auch für Fußball, sehr selten allerdings für Barmbek-Uhlenhorst. [KLICK!]. Doch auch als regelmäßiger Besucher liefe man kaum Gefahr sich zu ruinieren, der Eintrittspreis für die Oberliga Hamburg beträgt einheitlich sechs Euro.

Der BU-Platz an der Steilshooper Straße ist leider Geschichte – auch dort war der idiotensport einst zu Gast –, seit zwei Jahren spielt BU ein paar hundert Meter weiter im ‚New Anfield‘ an der Dieselstraße. Und wenn wir alten Nörgler sonst eigentlich immer etwas auszusetzen haben, so muss man in diesem Fall sagen: Für einen Neubau ist das sehr okay. Zumal es nur dem Kunstrasen zu verdanken war, dass wir an diesem Sonntag überhaupt ein Spiel sehen konnten. Dass wir uns in der ersten Halbzeit exakt so hingestellt haben, dass uns die Stützpfeiler der Tribüne die Sicht auf beide Torräume nahmen, daran ist ja nun wirklich niemand anderer schuld, der Stadionarchitekt nicht und noch nicht einmal die SPD.

Vielleicht waren wir einfach etwas müde und vielleicht auch noch ein wenig entscheidungsschwach und ganz sicher (mehr …)

Mehr als nur Faschingsflucht

Teil I – Im Abteil

„Der Sechste tut mir jetzt schon leid.“ Noch saß er alleine im Abteil des ICE von München nach Hamburg. Die erste Phase der Kontemplation bestritt er, im Auge den beruhigenden Blick der Landschaft, im Ohr das monoton und doch luftzerschneidende Surren der Hochgeschwindigkeitsbahn. Bald würde ihm das Reizklima Deutschlands Nordseeküste die letzten Viren aus dem Körper vertreiben. Bald würde er gestärkt, fernab des Faschingstreibens, in eine andere Welt eintauchen. Eine Welt, die so besser sein würde als die Alltägliche. Die anderen, die waren unterwegs in die Hochburg der Narren. Das Zentrum des Karnevals hatte ihn aber noch nie beeindruckt. Deshalb freute er sich auf seine bevorstehenden Erlebnisse. Ein bisschen Kultur, etwas Bewegung, Bildung durfte nicht fehlen und natürlich das gute Essen. Nicht zuletzt der Höhepunkt. Auf den Montag Abend freute er sich natürlich ganz besonders. Doch der sich dem Abteil nahende Mob ließ ihn schon wieder zweifeln. „Der Sechste tut mir jetzt schon leid.“

Bis auf die Nachspielzeit war es ein ganz wunderbares Wochenende

1. FC Union Berlin – FC St. Pauli 1:0
Stadion an der Alten Försterei, 4. November 2017
Zuschauer: 22.012

Berliner AK 07 – BSG Chemie Leipzig 3:0
Poststadion Berlin, 5. November 2017
Zuschauer: 1.007

und ein Triumph wäre auch die Krönung unserer Reise gewesen, aber:

Wenn ich mich mit dem ghostwriter auf große Fahrt begebe, dann ist das meistens sehr schön und meistens verlieren wir verdientermaßen. Mal abgesehen vom Spiel war es ein super Tag ist seit langem ein geflügeltes Wort (höchstwahrscheinlich nicht nur) in meinem Freundeskreis. Vor anderthalb Wochen in Berlin wäre es dieser Logik nach sogar noch schöner als schön gewesen, denn wir haben zwar verloren, aber unverdient, in der Nachspielzeit, nach einem guten Auftritt. Da jedoch Logik und Fansein nicht recht zusammengehen, überstelle ich diese Überlegungen, kaum angestellt, gleich wieder dem Orkus des Vergessens.

Aber über Union will ich hier gar nicht reden, ist ja schon lange her und es ist alles darüber gesagt, vor allem über die ganz und gar lächerliche Freistoßentscheidung (mehr …)

Eine schöne, vor allem gemütliche Sache ist es… – Ein Hoch auf den Amateurfußball!

Gastartikel vom Derrick

SV Kirchanschöring – TSV 1860 München II 1:1
Stadion an der Laufener Straße, 4. November 2017
Zuschauer: 670

In Begleitung meiner wundervollen, schönen und tifosen Ehefrau begab ich mich an einem herrlichen Herbstsamstag mit dem blau-weißen Fan-Cinquecento ins nahegelegene Kirschanschöring zum Spiel der Bayernliga Süd zwischen dem SV Kirchanschöring und der Reserve des TSV 1860 München.
Wem Kirchanschöring nicht so viel sagt: es liegt schön eingebettet zwischen Salzburger Alpen und Salzach im Rupertiwinkel, nahe der österreichischen Grenze. Der Ort hat einen relativ berühmten Fußball-Bürger – Bernd Dürnberger, ehemaliger Spieler des dreimaligen Europapokalsiegers der Landesmeister in den 1970er-Jahren beim Club aus der Säbenerstr.

Wir hätten auch mit dem Fahrrad anreisen können (was den Bierkonsum (mehr …)

Aus der Serie: Der Titan berichtet aus der Oberliga

Heute: Zum Frühschoppen nach Ottensen oder mit Wind gewinnt

 

Nach langer Zeit melde ich mich mal wieder, um über ein Geschehen aus meiner Lieblingsoberliga, der Oberliga Hamburg zu berichten. Nein, Altona ist diesmal nicht von der Partie, die spielen inzwischen eine Klasse höher, aber ein sehr beliebter Stadtteil von Altona: Mein Weg führte mich morgens um 10:00 nach der Umstellung auf die Winterzeit nach Ottensen zum seit 1905 an gleicher Stelle beheimateten Teutonia 05. Laut Homepage spielt der Club auf der zweitältesten Fußballanlage der Stadt, was man 2017 nicht mehr erkennt. Denn seit zwei Jahren haben die Teutonen einen gepflegten Kunstrasenplatz von der Stadt gestellt bekommen. Kein Wunder, müssen sich doch 35(!) Mannschaften diesen einen Platz zum Trainieren und zum Spielen teilen, was einer logistischen Meisterleistung gleichkommt. Neben der Tradition ist es vor allem die Integration, die diesen Verein so interessant und beliebt macht. Dafür wurde er auch 2009 mit dem Integrationspreis der Stadt ausgezeichnet. Und noch eins: Laut eigener Aussage erhält man hier die beste Currywurst der Stadt, auch morgens um 10:45.  (mehr …)

Nö.

TSV Nördlingen – TV Bad Grönenbach 6:1
Gerd-Müller-Stadion Nördlingen, 19. Juli 2017
Zuschauer: 200

„Nördlingen? Was solln daran schön sein?“

So meine 1/3-Lieblingsnichte streng, als ich beim Gedanken an die selbst ernannte Ries-Metropole Milde walten und mich dazu hinreißen ließ zu äußern, dass Nördlingen ja eigentlich schon auch irgendwie seine Reize habe. „Na ja, dass man ganz um die Stadtmauer rumgehen kann und der Minigolfplatz wirklich wunderbar gelegen ist direkt im Graben an einem der Stadttore und überhaupt alles sehr mittelalterlich daherkommt“, wollte ich fast noch protestieren, aber dann besann ich mich und gab ihr vollumfänglich Recht. Als Oettinger mag man Nördlingen nicht, da darf man nicht weich werden, nur weil man schon seit 20 Jahren woanders wohnt.  (mehr …)